headerbild

Blog

Expedition nach Taiwan (12.02.2020)

 

 

Mir wurde das seltene Glück zuteil, daß mich eine befreundete Familie aus Taiwan zum chinesichen Neujahrsfest einlud. Also setzte ich mich in Frankfurt in einen Flieger und flog 13 Stunden Nonstop nach Taipeh. Dort wurde ich abgeholt und saß kurz darauf in einem Haus in einer taiwanesischen Kleinstadt mitten unter freundlichen Chinesen. Das war keine touristische Scheinwelt, sondern ganz normaler Alltag in einer Kultur, die wir sonst bestenfalls als Klischee aus dem Internet kennen. Taiwan ist nur der Name der Insel im Pazifik; der Staat heißt "Republik China" und ist der jüngere Bruder der großen Volksrepublik China, also praktisch ein China ohne den Pseudo-Kommunismus.

 Das Neujahrsfest verbrachten wir in einem Hotel in den Bergen, neben Tee-Pflanzungen und einer heißen Quelle. Ich war der Ehrengast und auch der einzige Ausländer weit und breit.

Zum Neujahrsfest werden rote Umschläge

verschenkt, in denen sich Geldscheine befinden.

Taiwan ist aus verschiedenen Gründen kein touristisches Ziel. In den 3 Wochen, die ich die Insel bereiste, habe ich insgesamt kaum 50 Ausländer gesehen (ich hielt mich allerdings von den großen Städten fern). Das liegt aber nicht daran, daß diese Insel nichts zu bieten hätte, ganz im Gegenteil.

Die fast komplett aus Chinesen bestehende Einwohnerschaft ist sehr freundlich und entspannt. Die Leute lächeln viel und sind äußerst nett, allerdings auch fast ein wenig schüchtern. Das mag daran liegen, daß nur verhältnismäßig wenige Englisch sprechen. Man freute sich, wenn man einmal einer "Langnase" begegnete, einem Westler, den man sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Immer wieder riefen mir Leute zu "Welcome to Taiwan!".

Nachdem das neue Jahr - das Jahr der Metall-Ratte - begonnen hatte, reiste ich mit einheimischer Begleitung weit herum und sah unglaublich schöne Landschaften. Ich war schon an vielen herrlichen und entlegenen Orten auf unserem Planeten, aber Taiwan zählt zweifellos zu den schönsten, die ich jemals sah. Natürlich schaute ich mich wie immer nach Kristallen und seltenen Steinen um, und auch davon gab es reichlich.

 

Diese sehr große Kristallstufe aus Doppelender-Bergkristallen entdeckte ich im buddhistischen Schrein eines Hotels. Sie war wunderschön gewachsen und wog sicher 9 oder 10kg. Nach chinesicher Art war eigens ein Holzständer dafür angefertigt worden. Zum Anbeten schön. Die Angestellten des Hotels wurden sichtlich nervös, als ich die Stufe fürs Foto umdrehte und ins rechte Licht rückte.

 

In solchen kleinen, privat geführten Devotionalien-Geschäften fand man Heilsteine und Kristalle in Hülle und Fülle. Allerdings ist Taiwan kein Billig-Reiseland, und die Preise waren im gehobenen Segment, um nicht zu sagen alles war sauteuer.

Der asiatische Geschmack unterscheidet sich natürlich deutlich von unserem. Vieles, was es dort gab, wäre bei uns wahrscheinlich unverkäuflich.

Die Bedeutung der Heilsteine ist in China leicht abgewandelt, aber grundsätzlich ähnlich der europäischen Steinheilkunde.

 

 

Ein typischer Edelsteinmarkt in einer Kleinstadt. Es war immer wieder spannend, dort nach Raritäten zu suchen.

 

Besonders positiv überrascht war ich von der chinesischen Küche, die wirklich nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun hat, was in chinesichen Restaurants in Deutschland angeboten wird. Jeden Tag aufs neue gab es Dinge zu probieren, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, und ich habe auch tapfer alles ohne Vorbehalte gegessen. Das meiste war sogar sehr gut. Sofort verweigert habe ich, als man mir einmal Affenkopfsuppe anbot, allerdings wurde mir dann lachend erklärt, daß der "Affenkopf" ein großer weißer Pilz ist, der nur wegen seiner äußeren Ähnlichkeit so genannt wird. Etwas widerlich fand ich Blut-Tofu, das wie ein blutiges inneres Organ in der Suppe schwimmt, glibberig die Kehle hinabgleitet und einen Nachgeschmack hinterläßt wie bei Nasenbluten.

Die heimliche Spezialität der Insel ist Stink-Tofu, das sich bei den Einheimischen großer Beliebtheit erfreut. Anfangs fand ich, es riecht wie Scheiße, aber nach ein paar Tagen habe ich diese Meinung revidiert: es riecht wie gärende Mülltonne, die im Sommer schon ein paar Tage zu lange in der Sonne steht. Der Geruch ist ziemlich genau derselbe, und das sagte ich den Chinesen auch, auf freundliche Art und mit einem Lächeln. Sie nickten verständnisvoll und meinten, genau so empfinden sie gegenüber unserem Käse. Irgendwann kam dann der Test, wo eine Portion Stink-Tofu vor mich hingestellt wurde. Es schmeckte nicht annähernd so furchtbar, wie es roch. Eigentlich war es sogar auf eine seltsame Weise ziemlich gut. 

Sehr schön sind auf einer solchen Reise, wo die Kulturen aufeinander prallen, auch immer die herrlich absurden Dialoge. Wie z.B. dieser hier, den ich an einem Grillstand auf dem Nachtmarkt hielt:

"Was ist denn das für ein seltsames Insekt?"

"Das ist eine Entenzunge."

"Wie, du meinst, das ist die Zunge einer Ente?"

"Ja, eine Entenzunge."

"Furchtbar. Wie soll denn die Ente jetzt jemals wieder Gak gak sagen?"

"Eine Ente macht nicht Gak gak."

"Wie macht die Ente denn dann?"

"Quak Quak."

"Unsinn. Quak quak macht der Frosch."

"Euer Frosch vielleicht. Unsere Frösche machen nicht Quak quak."

"So? Und wie machen die chinesischen Frösche dann?"

"Das ist ein sehr kompliziertes Thema. So wie es bei euch in Europa viele verschiedene Völker mit vielen Sprachen gibt, so gibt es bei uns viele verschiedene Frösche, und jeder hat seine eigene Sprache."

"Aber wie macht denn ein typischer chinesicher Frosch? Kannst du das mal machen?"

"Nein, wie gesagt, das Thema ist viel zu komplex."

"Okay, verstehe. Dann nehme ich eine gegrillte Entenzunge."

 

Die Erlebnisdichte war sehr hoch, und so können hier in diesem kurzen Bericht natürlich nur wenige Beispiele gebracht werden.

Ein Fluß in den Bergen durch Marmorfelsen. Wer möchte hier nicht ein paar Steine sammeln?

 

Schnee in den Tropen. Auf über 3500m Höhe wurde es eisig. Da leichter Schneefall angesagt war, verhängte die Polizei sicherheitshalber Schneekettenpflicht für alle Fahrzeuge. Eine absurde Entscheidung, da die Straßen frei und trocken waren, aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift, auch in Taiwan.

Eine Begegnung der unheimlichen Art hatte ich auf dieser Pagode am mystischen Sun Moon Lake, wo ich nachts heimlich hochstieg und einer Spukerscheinung begegnete. Die lokalen Geister sollte man besser respektieren.

 

Mein Besuch bei einem Meisterschleifer, der seine Werkstatt auf einem Felsen an der Ostküste direkt über dem Meer hatte. Der Mann hatte sich hier angesiedelt, weil es das weltweit einzige Fundgebiet von "Snow Jade" ist, einem sehr schönem Stein, der ein wenig an Larimar erinnert.

Ich könnte noch sehr viel mehr über diese Reise schreiben. Reiseberichte sind aber nicht der eigentliche Zweck dieser Website. Statt endlosem Gelaber kann ich zumindest noch ein paar Bilder zeigen.

 

Bildergallerie:

20200124095859.jpg20200204123214.jpgdsc01516.jpgdsc01548.jpgdsc01584.jpgdsc01605.jpgdsc01639.jpgdsc01660.jpgdsc01670.jpgdsc01733.jpgdsc01734.jpgdsc01737.jpgdsc01754.jpg