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Reise nach Kambodscha (07.12.2018)



Ich komme gerade von einer Reise durch Thailand und Kambodscha zurück. Ein paar Eindrücke möchte ich hier schildern.

Gelegentlich habe ich in Bangkok zu tun, und von dort gelangt man schnell und unkompliziert an jeden anderen Ort in Asien. Bangkok ist sehr faszinierend, aber lange hält man es in diesem Moloch nicht aus. Deshalb reiste ich weiter nach Sihanoukville an der malerischen Südküste Kambodschas, was bisher eins meiner persönlichen kleinen Paradiese auf dieser Welt war.

Mit dem Bus ist man von Bangkok in etwa 6 Stunden an der kambodschanischen Grenze. Wie immer reiste ich nur mit einem kleinen Rucksack; je weniger man dabeihat, umso freier fühlt man sich. Der Grenzübertritt ist abenteuerlich; es wird Fieber gemessen (!) und die korrupten kambodschanischen Grenzbeamten nehmen einem für das eigentlich kostenlose Visum insgesamt 50€ ab. Man kann nur bezahlen, oder man wird nicht reingelassen. Gleich hinter der Grenze stürzen sich jede Menge Nepper und Schlepper auf einen: Kofferträger mit Handwagen, Bettler mit fehlenden Gliedmaßen, diebische Kinder, Bierverkäufer und die unvermeidliche Taxi-Mafia. Das alles bei 35 Grad und stechender Sonne. Kambodscha auf eigene Faust ist nur fortgeschrittenen Travellern zu empfehlen.

Ich handelte mit einem Fahrer einen Preis aus, und die 5stündige Fahrt durch den Regenwald in seinem schrottreifen 30 Jahre alten Gefährt konnte beginnen. Straßen gibt es nicht, man fährt auf staubigen Pisten voller Schlaglöcher. Schneller als 40km/h ist nicht drin.



Auf halber Strecke hielt er an einem einsamen Haus an, in dem eine alte Frau wohnte. Dort standen fünf Alu-Töpfe in der Sonne, und ich sollte etwas essen. In jedem der Töpfe war ein undefinierbarer Brei; kein vernünftiger Europäer hätte hier etwas gegessen. Aber ich hatte Hunger und sagte, ich nehme etwas Vegetarisches (da ist die Vergiftungsgefahr nicht ganz so hoch). Es schmeckte bei weitem nicht so schlimm, wie es aussah, und anschließend trank ich eine Coke. Ich trinke sonst niemals Cola, aber hier war das eine gute Entscheidung, denn das Zeug ist bekanntlich so giftig, daß es jeden Keim im Magen umbringt.

Als wir endlich in Sihanoukville ankamen, war es schon dunkle Nacht. Verwundert sah ich, daß hier überall Hochhäuser mit blinkenden Leuchtreklamen standen, die vor drei Jahren noch nicht da gestanden hatten. Dieser kleine Ort hatte eine richtige Skyline bekommen, und das war erst der Anfang. Überall standen Kräne und Baugerüste. Ich ging an den Strand, wo ich vor drei Jahren jede Nacht gesessen hatte. Er war verschwunden. Da war jetzt ein Bauzaun mit schweren Maschinen dahinter. Ich ging zwei Straßen weiter zu meinem alten Hotel, wo ich letztes mal für 10$ die Nacht gewohnt hatte. Es stand noch da, aber der Besitzer wollte jetzt 45$ pro Nacht für die heruntergekommene Bude. Kopfschüttelnd lief ich weiter. Überall chinesische Hochhäuser mit Casinos drin. Wer braucht denn sowas? Hier hatte offenbar in kürzester Zeit eine chinesische Invasion der schlimmsten Art stattgefunden. Das kleine, gemütliche Backpacker-Paradies war komplett verschwunden.

 

Ich buchte schließlich über booking.com eine bezahlbare Hütte in Strandnähe, ein ganzes Stück entfernt von der Stadt. Dorthin lief ich eine Stunde durch die Nacht, und es stellte sich heraus, daß die Hütte sich inmitten eines weiteren gräßlichen Neubaugebietes befand. Ich weckte einen betrunkenen Mann, der hinter der Rezeption schlief. Er gab mir den Schlüssel und nuschelte, daß der Wasserdruck momentan leider ziemlich gering sei. Ich ging in die Hütte und stellte mich als erstes unter die Dusche. Es kam kein Tropfen Wasser heraus. Ich legte mich aufs Bett. Das Wellblechdach strahlte eine glühende Hitze aus, und die Holzwürmer nagten in den Balken mit erstaunlicher Lautstärke. Man konnte einen Ventilator einschalten, der erzeugte einen heißen Orkan.




Am nächsten Morgen war immer noch kein Wasser da. Ich checkte aus und suchte mir eine andere Bruchbude. Unterwegs sprang ich ins Meer, da fühlt man sich gleich wieder richtig gut. Die Strände von Kambodscha gehören zu den schönsten der Welt.



Ich fand schließlich noch eine der kleinen, gemütlichen Strandbars, die noch von einer kambodschanischen Familie betrieben wurde. Die letzte ihrer Art, alles andere ist bereits fest in chinesischer Hand. Die Chinesen kaufen einfach alles auf, was sie bekommen können, jedes Haus, jedes Hotel und jede Bar. Sie verwandeln den Ort in Rekordzeit in ein chinesisches Las Vegas. Dabei sind sie so kurzsichtig, daß jeder Investor nur sein eigenes Hochhaus baut; die Infrastruktur bleibt völlig auf der Strecke. Und so sind zwischen den 30-stöckigen Casino-Hotels nur schlammige Trampelpfade und riesige Müllberge. Der Bau-Boom fing erst vor einem halben Jahr an. In dieser Zeit hätte man in Deutschland noch nicht einmal den Bauantrag genehmigt, und hier sind die Hotels bereits fertig. Vom ursprünglichen Kambodscha bleibt leider nichts übrig.


 

Ich blieb noch ein paar Tage und machte Schnorcheltouren. Die Korallenriffe sind noch vollkommen intakt, das Meer ist sauber, das Wasser ist glasklar und wimmelt von Fischen. Jeden Abend saß ich am Strand in der kleinen Bar meiner kambodschanischen Freunde, wo das Faßbier noch 75 Cent kostet wie in der guten, alten Zeit.



Eine Strandverkäuferin gesellte sich zu mir und klagte ihr Leid: "Noch bis vor einem Jahr kamen hierher nur freundliche Westler, Leute wie du. Wir hatten eine gute Zeit. Jetzt sind die Chinesen da, zu tausenden, und sie zocken die ganze Zeit nur in den Casinos, und dabei saufen sie fürchterlich, und jede Woche bringen sich ein paar von ihnen gegenseitig um. Die Westler kommen nicht mehr, du bist hier fast der einzige. Mein Geschäft läuft nicht mehr. Für uns Kambodschaner bleibt nichts!"

Eins der letzten Paradiese ist für immer zerstört, und man kann nur wehmütig zurück blicken.


Bildergallerie:

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