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Drei Wochen durch Malaysia (13.04.2019)

 

 

 

Drei Wochen durch Malaysia waren wie ein glühend heißer tropischer Traum. Ich landete nach 14 Stunden Flug in der Hauptstadt Kuala Lumpur, was der heißeste Ort auf Erden zu sein scheint, wenn man Mitte März aus dem noch winterlich kalten Deutschland kommt.

Ich fuhr mit einem klapprigen, alten Taxi nach Chinatown und mietete ein Zimmer für nur 5€ die Nacht in einem kleinen Motel. Es war gar nicht mal schlecht. In Chinatown verbrachte ich die nächsten drei Tage inmitten von Garküchen, Straßenhändlern und roten chinesischen Lampions. Eine bizarre Welt, laut, friedlich und voller seltsamer Sprachen und Gerüche.

 

Für asiatische Verhältnisse ist Kuala Lumpur recht entspannt und gut organisiert. Die eigentliche Innenstadt ist gar nicht so groß und läßt sich gut zu Fuß erkunden. Man muß allerdings die Temperaturen ertragen können. Malaysia befindet sich nur knapp nördlich des Äquators, und tagsüber waren es an die 40 Grad Hitze, nachts ist es nicht viel kühler. Eine gute Idee ist immer, um die touristischen Highlights einen großen Bogen zu machen. Meistens sind es am Ende die kleinen Dinge, die im Gedächtnis bleiben - die unscheinbaren Ereignisse und die scheinbar zufälligen Begegnungen.

 Mit dem Bus ging es dann in Richtung Norden durch riesige, üppig grüne Regenwaldgebiete hinauf in die Cameron Highlands.

Hier im Hochland waren die Temperaturen erträglicher und sanken nachts manchmal sogar bis unter 20 Grad ab. Die Einheimischen holten die Wollmützen raus. Neben dichtem Dschungel gab es auch riesige Teeplantagen. Einmal habe ich es geschafft, mich im Regenwald zu verirren und bin mehrere Stunden lang herumgeirrt. Es gab keine richtigen Pfade, nur mühsam steile Auf- und Abstiege bei großer Hitze und extremer Schwüle. Nur einen einzigen anderen Wanderer habe ich getroffen, einen verschwitzten Franzosen, der mir entgegenkam, über die Hitze fluchte und ausgerechnet mich nach dem Weg fragte.

Überall gab es auch bis zu zweieinhalb Meter lange Warane, die oft mitten auf dem Weg lagen und nur ungern das Feld räumten. Schlangen dagegen habe ich nie gesehen, obwohl sie hier sehr häufig vorkommen sollen.

Ein paar Stunden später fand ich zurück in den kleinen Ort, wo ich insgesamt vier Tage lang in einem Homestay bei einer freundlichen Hindufamilie wohnte. Jeden Morgen wurden Unmengen von Räucherstäbchen auf dem Hausaltar entzündet, alle Fenster weit geöffnet und anschließend ein Frühstück zubereitet: extrem süßer Kaffee, der aber erstaunlich gut schmeckte, und Roti, das ist eine Art Eierkuchen, der mit scharfer Sauce serviert wird.

Nach drei Tagen nahm ich früh morgens einen Bus in Richtung der Insel Penang. Es waren ungefähr fünf Stunden Fahrt. Auf halber Strecke gab es einen Halt an einem Urwaldklo, und als ich wieder im Bus saß, bemerkte ich eine große Zikade, die auf meiner Schulter saß. Zikaden sind im Regenwald überall zu hören, man sieht sie allerdings fast nie. Sie können mit ihren harten Flügelschalen ein Zirpen von unglaublicher Lautstärke erzeugen. Ich setzte das Tier an den Vorhang am Fenster, wo es nach oben kletterte. Dann lief es eine Sitzreihe nach vorn und kroch - ich sah es genau - in den Rucksack meines Vordermanns hinein. Eine Stunde später hörte man dann zum ersten Mal das typische Zirpen in voller Lautstärke, das fast so unangenehm klingt wie ein Zahnarztbohrer, nur wesentlich lauter. Die Mitreisenden sahen sich besorgt um, konnten das Geräusch aber nicht genau orten.

Mit der Fähre ging es dann rüber nach Penang. Auf der Insel war es heiß wie in einem Backofen. Die Hauptstadt George Town ist einer der angenehmsten Orte in Asien. Außerdem ein kulinarisches Paradies, sofern man auf asiatisches Essen steht. Ich bezog wieder in Chinatown Quartier, und nachts waren die Straßen voll mit Streetfood-Ständen. Die meisten europäischen Reisenden haben ständig Angst, sich den Magen zu verderben oder sich eine schlimme Darmerkrankung zuzuziehen. Ich hatte nie Probleme, halte mich aber an folgende Regeln:

- Richtig scharf essen, und immer noch ein paar zusätzliche Chili's draufgeben, das desinfiziert und killt Keime. Voraussetzung ist natürlich, daß man extrem scharfes Essen abkann.

- Gesundes Mißtrauen bei Fisch; Muscheln und einige andere Arten von Seafood möglichst völlig meiden.

- Vor jedem Essen innehalten und innerlich die Nahrung segnen. Das macht einen großen Unterschied - obwohl die meisten Leute natürlich viel zu aufgeklärt sind, um so etwas auch nur in Betracht zu ziehen.

- Wenn's nicht schmeckt: auf keinen Fall essen.

 George Town hat auch kulturell viel zu bieten, und ich verbrachte dort wundervolle Tage. Es gibt ganz unterschiedliche Stadtviertel, die sich stark voneinander unterscheiden: Chinatown, Little India usw. Die verschiedenen Kulturen, die hier schon seit Jahrhunderten nebenenander leben, vermischen sich interessanterweise nicht. Und das ist eine Beobachtung, die momentan so gar nicht politisch korrekt ist: jeder Mensch zieht es vor, unter Seinesgleichen zu leben. Ein Chinese möchte chinesische Nachbarn haben, und ein Inder möchte unter anderen Indern leben. Wer mit offenen Augen durch die Welt zieht, wird das überall beobachten können.

 Auf Penang gibt es auch Wohngebiete, die aussehen wie Berlin-Marzahn oder Halle-Neustadt. Mich zog es am letzten Tag allerdings in den Norden, wo ein großes Reservat mit unberührtem Urwald und einsamen Stränden liegt. Ich lief wieder stundenlang durch den Dschungel, nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal auf dieser Reise. Nach drei Stunden schweißtreibender Kletterei erreichte ich endlich den Strand. Er war kilometerlang, menschenleer und paradiesisch.

Man wollte einfach nur ins Wasser springen, aber dann sah ich das Schild: "Baden verboten, Lebensgefahr". Hier gab es die tödlich giftigen Quallen, die mit der Meeresströmung von Australien kamen. Im letzten Jahr hatte es an diesem Strand drei Todesopfer gegeben, im Jahr davor sieben. Man überlegt ernsthaft, ob man es riskieren sollte. Wohl besser nicht. Also wieder drei Stunden zurück durch den Urwald...

Dann nahm ich eine Speedfähre, die regelrecht übers Wasser flog, weiter in Richtung Norden. Nach drei Stunden Fahrt erreicht man die tropische Insel Langkawi, von der ich mit einem Taxiboot auf eine kleinere Insel übersetzte, die wunderbar einsam war. Hier gab es drei Hütten an einem langen Sandstrand umsäumt von dichtem Dschungel, und sonst gar nichts. In einer der Hütten wohnte ich für die nächsten fünf Tage. Das Privileg, auf einer (fast) einsamen Insel zu leben, ist schwer zu beschreiben. Es gibt absolut nichts, was man tun kann, und das ist sehr heilsam. Von morgens bis abends aufs Meer starren; schwimmen gehen; Chillen; ein Buch lesen; wieder schwimmen; die Inselkatze streicheln; diebische Affen verscheuchen; wieder lesen; den Sonnenuntergang beobachten; ein Feuer entzünden; aufs nächtliche Meer starren.

Am dritten Morgen zogen plötzlich Gruppen von Militärhubschraubern im Tiefflug an der Insel vorbei, gefolgt von etlichen Staffeln Kampfjets, die wahnsinnig laut waren. Außerdem tauchten Navy-Schiffe am Horizont auf. Da ich von der Außenwelt abgeschnitten war (sowas wie Wlan gab es auf der Insel natürlich nicht) mußte ich ernsthaft in Betracht ziehen, daß in Südostasien irgendein Krieg ausgebrochen war, den ich einfach verpennt hatte. Erst Tage später erfuhr ich, daß in der Nähe eine große Militärshow stattfand, für die sich offenbar sämtliche Flugzeuge und Schiffe des Landes versammelt hatten.

Zwei Tage später wurde ich von einem kleinen Boot abgeholt und zurück zur größeren Insel gebracht. Dort bleib ich noch zwei weitere Tage, lebte in einer kleinen Pension unter freundlichen Einheimischen und sah mir die Mangrovenwälder an. Hier gab es Gebiete mit Unmengen von Seeadlern, Höhlen voller Fledermäuse und schwimmende Seafood-Restaurants von Fischern. Wenn man immer mehrere Tage an einem Ort bleibt und dann weiterzieht, ist das die richtige Mischung aus Erlebnisdichte und tiefer Entspannung.

 

 

Ich hatte immer noch fast eine Woche Zeit bis zum Rückflug nach Deutschland, und ich wollte noch mehr sehen. Deshalb nahm ich einen Inlandsflug (für ganze 22€) in den Süden des Landes nach Malakka, nicht weit von Singapur und der gegenüber liegenden Insel Sumatra entfernt. Die Hitze, die dort herrschte, muß nicht extra erwähnt werden; das Gebiet ist sehr äquatornah. Ich wohnte wieder in Chinatown, das ist immer eine gute Wahl, weil die Chinesen international aufgestellt sind, und man findet dort alles, was man brauchen könnte.

Ich sah mich in einigen chinesischen Antikläden um, die wahre Schatzkammern waren. Natürlich suchte ich dort vorrangig nach gewissen Steinen.

Chinesische Traumfänger aus 22 Karat Gold. Sie werden links und rechts ans Kopfkissen angenäht. Der Kopf des Träumenden ruht praktisch zwischen zwei Kondensatorplatten. Eine großartige Idee.

Eine etwa hundertjährige chinesiche Oma kam langsam angeschlurft und sagte "Ich kann sehen, daß Sie nach etwas ganz Bestimmtem suchen. Worum handelt es sich?" "Crystals" sagte ich. Sie nickte  wissend und sagte "Seltsam, danach hat hier schon seit über zehn Jahren niemand mehr gefragt. Es gab mal eine Zeit, da waren Kristalle sehr populär." Sie führte mich in einen kleinen, abgedunkelten Raum. Dort lagen tatsächlich einige Bergkristalle auf einem Tisch, und die waren gar nicht mal schlecht, das waren große und schöne Kristalle. Ich fragte, wo die gefunden wurden, und sie versicherte mir, daß es Kristalle aus Malaysia waren. Ich fragte nach dem Preis; er war mehr als angemessen, so daß sich weitere Verhandlungen erledigt hatten. Die Oma wickelte jeden einzelnen Stein sorgfältig in Papier ein. Ich zahlte, und sie drückte mir zum Abschied ganz professionell eine Visitenkarte in die Hand. Sie war sehr cool, und wäre sie 60 oder 70 Jahre jünger gewesen, hätte ich sie wahrscheinlich zum Essen eingeladen.

 

 

 

 

Ich konnte hier natürlich nur einen winzigen Einblick geben. In drei Wochen begreift man nicht allzuviel von dem Land, das man erkundet.

Immer wieder werde ich auch gefragt, wie solche Reisen eigentlich zu finanzieren sind, und die Antwort läßt den Fragesteller jedesmal ungläubig verstummen: "Diese Reise hat gerade mal halb so viel gekostet wie dein Ostseeurlaub im Sommer."

 

 

Bildergallerie:

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